Die Geschichte des Flugzeugbaus in Hamburg

Für Walther Blohm (1887- 1963) war Ende der 1920er Jahre der Trend unübersehbar: Der Überseeluftverkehr war im Kommen. Gezielt nahm er Kontakt zu Luftfahrtexperten auf und gründete 1933 im Rahmen von Blohm & Voss die Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB) auf dem Finkenwerder Gelände als Tochterunternehmen der Schiffswerft. Aufgrund ihres Erfolges wurde sie 1937 als Abteilung Flugzeugbau der Schiffswerft Blohm & Voss eingegliedert.

Der forcierte Aufbau der deutschen Luftwaffe in den 1930er Jahren trug zum schnellen Erfolg des Flugzeugbaus bei. Mit Hilfe von Dr. Ing. Richard Vogt gelang die Konstruktion eines Ganzmetall-Flugzeuges, das als charakteristisches Merkmal den „Rohrholm-Flügel“ besaß, der gleichzeitig als Treibstoffzelle genutzt werden konnte. So entstand die HA 136 B. Es folgte das Flugboot BV 138, ein dreimotoriges Aufklärungsflugzeug. Mit weiteren Eigen- und Lizenzbauten konnte der Hamburger Flugzeugbau bis 1945 eine führende Stellung im Bau von Wasserflugzeugen einnehmen. Eine Start- und Landebahn gab es nicht; sie stand in Wenzendorf südlich Hamburgs zur Verfügung. Das erklärte Ziel Walther Blohms war es jedoch, große Flugzeuge für den zivilen Transatlantikverkehr zu bauen.

Neuanfang 1954

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Hallen in Finkenwerder von der englischen Besatzungsmacht weitgehend demontiert und zerstört.

Mit Zähigkeit und Idealismus konnte Walther Blohm jedoch einen Neuanfang schaffen. Unter seiner Leitung wurde 1954 die Flugzeugbau Nord GmbH gegründet, beteiligt war auch die HFB, die die Transportmaschinen vom Typ Noratlas als deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt u. a. für die Bundeswehr in Lizenz herstellen sollte. Später folgte die Beteiligung am Nachfolgemodell Transall C-160. Ohne Zuschüsse der Stadt Hamburg, die kein Interesse am Flugzeugbau als Bereicherung des Industriestandortes Hamburg zeigte, baute HFB 1956 die notwendige erste Start- und Landebahn in Finkenwerder.

„Hansa Jet“ HFB 320: ein selbstentwickeltes Passagierflugzeug

In den 1960er Jahren wurde das kleine zweistrahlige Reiseflugzeug „Hansa Jet“ HFB 320 entwickelt und in geringer Stückzahl gebaut. Vor dessen Erstflug verstarb Walther Blohm 1963. Durch dieses Flugzeug sammelte die Konstruktionsmannschaft von HFB wichtige Erfahrungen für ihre spätere Beteiligung an der 1967 gegründeten deutschen Airbus GmbH, der fünf deutsche Firmen angehörten.

Vom Hamburger Flugzeugbau zur EADS

Zunächst fusionierte 1968 die Hamburger Flugzeugbau GmbH mit der Messerschmitt AG und der Bölkow GmbH zur Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) unter der Leitung von Ludwig Bölkow. Diese schloss sich 1989 mit weiteren deutschen Flugzeugwerken zur DASA (Dt. Aerospace AG 1989-2000) zusammen, als Tochter der Daimler-Benz AG, später Daimler-Chrysler. Seit 2000 gehört der ehemals Hamburger Flugzeugbau als Teil von Airbus Industries zum europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

Bau der Airbus Familie bis hin zum A380 und zum A350

Die einzelnen Standorte von Airbus sind zum Teil historisch begründet. Dabei richtete sich die Arbeitsverteilung anfangs nach den nationalen Besitzanteilen an Airbus, die sich auf Frankreich, Deutschland, Spanien und das Vereinigte Königreich verteilten. In Deutschland ist Hamburg der größte Standort mit derzeit 12.000 Arbeitsplätzen. In den letzten Jahren sind die Anteile stärker nach Fähigkeiten und Preisniveaus in verschiedene Länder verteilt worden. Dennoch spielen die nationalen Interessen immer noch eine Rolle.

1972 erfolgte der Erstflug des A300. Die folgende Tabelle gibt den derzeitigen Stand der Airbusfamilie mit Ihren Erstflugdaten wieder. Die Erstflüge der Typen A318 und A321 fanden in Hamburg statt.

Die Airbusfamilie
Modell Beschreibung Max. Sitze Erstflug Prod.ende
A300 2 Triebwerke, Großraumflugzeug 361 28.10.1972 2007
A310 2 Triebwerke, Grußraumflugzeug, gekürzte Variante der A300 297 03.04.1982 2007
A318 2 Triebwerke, Standardrumpfflugzeug, stark gekürzte A320 117 15.01.2002 2013
A319 2 Triebwerke, Standardrumpfflugzeug, gekürzte A320 156 25.08.1995
A320 2 Triebwerke, Standardrumpfflugzeug 180 22.02.1987
A321 2 Triebwerke, Standardrumpfflugzeug, verlängerte A320 220 11.03.1993
A330 2 Triebwerke, Großraumflugzeug 406-440 02.11.1992
A340 4 Triebwerke, Großraumflugzeug 420-440 25.10.1991 2011
A350 2 Triebwerke, Großraumflugzeug 550 14.06.2013
A380 4 Triebwerke, durchgehend 2 Passagierdecks, Großraumflugzeug 853 27.04.2005

In Folge der fortschreitenden Globalisierung hat auch Airbus in den letzten Jahren verstärkt Entwicklungs- und Produktionsanteile verlagert. Zusammen mit Effizienzsteigerungsprogrammen wie Power8 und den Entwicklungsverzögerungen beim A380 und dem A400M, hat dies große Veränderungen für die Belegschaft gebracht. Dennoch ist der Standort in Finkenwerder immer weiter gewachsen und ist heute der drittgrößte Standort weltweit im zivilen Luftfahrzeugbau (nach Seattle und Toulouse).

Fertigung in Hamburg Finkenwerder

Im Hamburger Werk findet in drei Fertigungslinien die Endmontage für den A318, A319, A320 und A321 statt. Für den A330 und den A350 findet die Sektionsmontage der vorderen und hinteren Rumpfteile in Hamburg statt. Beim A380 führt Hamburg die Sektionsmontage mehrerer Rumpfsektionen sowie die Kabinenausstattung und Lackierung durch und liefert sie an den Kunden aus.

Wasserflugzeug HA139 auf einem Schiff
Reiseflugzeug Hansa-Jet HFB320 mit einsteigenden Passagieren
Einmotorige Do-27 vor Transportflugzeug Noratlas auf dem Heeresflugplatz Celle
Passagierflugzeug A300 der Lufthansa in der Luft
A380, Flugzeugskizzen und Satellit